Solidarität ist Au-Bernecks neue Waffe

15. Oktober 2020

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Au-Berneck dreht bei Schluein Ilanz in der Schlussphase das Spiel, gewinnt 2:1 und holt so die Punkte neun bis elf.
In den letzten Spielen hat der FC Au-Berneck ein neues Selbstbewusstsein gefunden. Die Mannschaft weiss, wozu sie fähig ist und bringt das auf den Platz. Sie spielt keinen Champagnerfussball, weiss aber durch eine aussergewöhnliche Solidarität zu überzeugen – dies war in den letzten Jahren gewiss nicht immer Au-Bernecks Stärke.


Dazu kommt ein Stückchen Schlitzohrigkeit: Bei Schluein zeigte sich das nach drei Minuten, als Doriano Telatin einem Gegner den Ball abluchste und Goalie Hornacek prüfte. Telatin war der aktivste Auer, ging viermal in den Abschluss, blieb aber immer hängen. Sonst lief nach vorne nicht viel; Ricardas Baklanovas, einzige nominelle Spitze, hing in der Luft, weil sein Team sehr tief stand und aus der Mitte nur wenig kam. Defensiv standen die Rheintaler sehr solide, Schluein hatte nur eine Chance. Sie war die beste der ganzen ersten Hälfte, Daniel Niederl klärte in extremis (44.).
Die erste Halbzeit dokumentierte die Stärken und Schwächen der «Gäste vom Bodensee», wie der Speaker Au-Berneck ankündigte, perfekt. Hinten ist die Mannschaft stark, seit den fünf Gegentoren im Startspiel bei Mels kassierte sie in fünf weiteren Spielen nur noch fünf Gegentore. Doch vorn greifen die Automatismen nicht wie gewünscht – und es fehlt immer noch ein Knipser. Die neun Saisontore haben neun verschiedene Spieler erzielt.
Schluein Ilanz legt vor und schwächt sich selber
Nach der Pause eröffneten die Gastgeber das Skore. Erst blieb Zimmermann an Au-Goalie Kevin Jung hängen, dann verwertete Sattar Afzali den Abpraller zum 1:0. Der erst 16-jährige Afghane hatte schon am Samstag gegen Altstätten getroffen – da verloren die Bündner noch. Am Dienstag wiederholte sich das.
Denn Au-Berneck vermochte den Druck von Minute zu Minute zu verstärken. Dies brachte vorerst nichts Zählbares ein, die Schüsse aus der zweiten Reihe von Mario Zivic und Burhan Yilmaz waren zu harmlos. Aber die Bündner waren nun zu Reaktionen gezwungen – eine davon bestand darin, dass Bundi in drei Minuten zweimal Gelb holte und Schluein die letzten 25 Minuten in numerischer Unterzahl bestreiten musste.
Emir Muratoski und Emin Djelassi drehen das Spiel
Au-Berneck wusste dies auszunutzen, stand fortan viel offensiver. Teils waren fünf Angreifer in einer Linie zu sehen – der Ausgleich war eine Frage der Zeit. In der 79. Minute fiel er: Mit dem ersten Ballkontakt traf der eingewechselte Emir Muratoski per Kopf zum 1:1. Damit hatten die Gäste Blut geleckt, sie suchten sofort das zweite Tor. In der 81. Minute kam Emin Djelassi an den Ball, nachdem Schiedsrichter Kilic Vorteil gegeben hatte. Djelassi setzte sich fein gegen zwei Gegner durch und traf mit einem harten Schuss in die obere Ecke zum 2:1.
Dabei blieb es trotz Hektik in der Schlussphase. Au-Berneck rückt so mit elf Punkten auf den fünften Rang vor. Es zeigt sich: Die Ankündigung des Vereins, für die Entwicklung der Mannschaft auch einen Abstieg in Kauf zu nehmen, hat Druck vom Team genommen. Seither spielt es befreit und punktet regelmässig. So regelmässig, dass ein Abstieg in weite Ferne gerückt ist.

2. Liga, Gruppe 1
Schluein Ilanz – Au-Berneck 1:2 (0:0)

Crap Gries – 200 Zuschauer – SR: Kilic.
Tore: 50. Afzali 1:0, 79. Muratoski 1:1, 81. Djelassi 1:2.
Au-Berneck: Jung; Niederl (79. Muratoski), P. Pirabakaran, Kriebel, S. Pirabakaran; T. Dierauer (79. Büyüktunalioglu), Zivic, Telatin; Yilmaz (92. F. Dierauer), Djelassi (93. Bekjiri); Baklanovas (64. Marino).
Gelbe Karten: 31. Niederl, 55. Kriebel, 63. Bundi, 75. Telatin, 85. S. Pirabakaran.
Gelb-rote Karte: 65. Bundi.